Urban Labs 5-7

ERGEBNISSE  

Die Urban Labs von Distribute folgen einem Ablauf, der durch die Erfahrungen aus Design-Thinking-Prozessen geprägt ist. In einer Gruppe von „Design Thinkern“ – bei uns im Wesentlichen Bewohner*innen der beiden Projektgebiete und Projektmitglieder – werden Bedarfe ermittelt, Ideen generiert und Lösungen immer weiter verfeinert. Ein wichtiger Grundsatz dabei ist, dass nichts in Stein gemeißelt ist; Ausprobieren, Verwerfen und Weiterentwickeln gehören zum Wesen des Prozesses. Dabei zeigt sich, dass kein Prozess gleich geartet ist. Manchmal erscheinen gefundene Lösungen von Beginn an schlüssig und werden kontinuierlich fortgedacht, manchmal erweisen sich vermeintliche Lösungen im Test als unbrauchbar und müssen durch andere Möglichkeiten abgelöst werden. Die in dieser Broschüre dokumentieren Ergebnisse der vier Teams zu den Systemkomponenten E-Lastenfahrrad, Abstellanlagen, Buchungssystem und Dienstleistungen lassen erkennen, dass es im Urban-Design-Prozess von Distribute nicht anders läuft. Jedes Team schlägt seinen eigenen Weg der Entwicklung ein und es ist nicht garantiert, dass die hier vorgestellten Arbeitsergebnisse auch wirklich bis zum Ende, also bis zum Geschäftsmodell, weitergedacht werden. 

Zweimaliges Bauen und Testen
Iteration, verstanden als Rückkopplung und Wiederholung, ist so konstituierend für den Arbeitsprozess, dass wir uns entschieden haben, die Ergebnisse von drei Urban Labs in einer Broschüre zusammenzufassen, um den Arbeitsverlauf besser nachvollziehen zu können. Die hier dargestellten Labs sind eng miteinander verzahnt, bauen inhaltlich aufeinander auf und rechtfertigen so eine gemeinsame Betrachtung. Thema in allen drei Labs war das Bauen von Prototypen mit anschließendem Testen. Im Urban Lab 5 haben die Teams zusammen an einem Ort die vorher gesammelten Ideen in einen Prototyp im Modellmaßstab gebracht. Anhand dieser Modelle konnten die wesentlichen Funktionen und Konstruktionsprinzipien der angestrebten Lösung dargestellt werden. Zum Testen waren die Mitglieder der jeweils anderen Gruppen aufgefordert. Auf diese Weise konnten erstmals Überschneidungen und Anknüpfungspunkte in den Lösungen der Gruppen sichtbar gemacht werden, z.B. in der Frage, wie sich das Buchungssystem mit einer Abeschließmöglichkeit für die Abstellanlagen kombinieren lässt. Basierend auf den Ergebnissen dieser ersten Runde wurden die Lösungen und Prototypen in einer Iterationsschleife in den Urban Labs 6 und 7 einen Schritt weitergedacht. Inhaltlich gleich gelagert – nämlich ein nochmaliges Bauen und Testen von Prototypen – haben wir uns dennoch dazu entschlossen, diesen Arbeitsschritt in zwei getrennten Labs durchzuführen. Damit ergab sich die Gelegenheit, die gewünschte Ortsbezogenheit des Urban Design Thinking ernst zu nehmen, indem die Teams auf die zwei Projektgebiete aufgeteilt und die Arbeit in die Stadtteile verlagert wurde.

Urban Labs 6/7 als Schritt in den öffentlichen Raum
Ziel war dabei, aus dem geschützten, aber auch geschlossenen Rahmen des Rathauses in Charlottenburg herauszutreten und das Testen direkt in den öffentlichen Raum zu verlegen. Zum ersten Mal wurden also die entwickelten Maßnahmen, Strategien und Handlungsansätze in der Stadt selbst getestet. In der Vorbereitungszeit zwischen den Labs 5 und 6/7 konnten die Teams E-Lastenräder und Dienstleistungen bereits Gespräche mit Interessierten im Quartier rund um den Klausenerplatz führen. Daher ergaben sich für das Team Dienstleistungen vorher feststehende Orte des Testings im sogenannten Ziegenhof und auf dem Campus der TU Berlin. Die Gruppe E-Lastenräder hatte im Vorfeld Gespräche mit testwilligen Einzelhändlern geführt, die am Tag des Urban Labs wieder aufgesucht werden konnten. Die Zuordnung der Teams Abstellanlagen und Buchungssystem zum Urban Lab auf der Mierendorff-Insel ergab sich durch die enge Verknüpfung der Themen mit der bereits seit April 2018 existierenden Leihstation des Projektpartners insel-projekt.berlin. Beide Testings konnten so unter Zuhilfenahme der bestehenden Infrastruktur der Leihstation, insbesondere der dort stationierten Räder, durchgeführt werden. Am Ende hat sich gezeigt, dass es einen enormen Vorteil bringt, Ideen und Lösungen in die Stadt hineinzutragen und bestimmte Fragen im ortspezifischen Kontext mit den Menschen vor Ort zu besprechen. Neben dem wertvollen Erkenntnisgewinn zu den einzelnen Lösungen ist das Testing im öffentlichen Raum auch ein wichtiges kommunikatives Element: Passanten bleiben stehen und können nicht nur den Prototypen begutachten, sondern sich direkt über die Arbeit des gesamten Projekts informieren. Die konkrete Veranschaulichung verbessert die Vorstellung von und das Verständnis zu entwickelten Ideen und erleichtert den Austausch mit Bürger*innen und lokalen Akteur*innen. So konnten die beiden Labs auch dazu genutzt werden, das Projekt Distribute in den Quartieren noch besser sichtbar zu machen.